Fußball in Afrika - Slapstick oder doch was für Profis?
Sonntag, 31. Januar 2010
Jeden zweiten Dezember das gleiche Spiel. Die Clubs aus den europäischen Top-Ligen beginnen ein Tauziehen mit den afrikanischen Landesverbänden um deren Top-Stars. Egal ob Drogba, Eto'o, Essien, Obasi, Song oder Yahia. In ihren Ländern werden sie gebraucht, ebenso wie bei ihren Clubs.
Obwohl es regelmäßig zu Reibereien kommt und die Clubs mehrfach bei der FIFA um eine Verlegung des Afrika-Cups gebeten haben, wird er doch alle zwei Jahre mitten in der Saison ausgespielt! Alle anderen Kontinentalmeisterschaften werden in der Sommerpause zwischen zwei Spielzeiten ausgetragen. Auch der Zweijahreszyklus wird sonst nur beim Gold Cup der CONCACAF verwendet, während die anderen Verbände ihre Turniere in Zyklen von vier Jahren austragen bzw. austragen werden.
Doch nicht nur der Zeitpunkt und die Häufigkeit erregen bei Fans und Vereinen Kopfschmerzen. Wenn man sieht, wie ihre Stars sich bei diesen Turnieren oft präsentieren weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Die Auftritte sind lustlos und nur selten blitzen die technischen Fähigkeiten auf, mit denen sie bei ihren Vereinen Woche für Woche für Aufsehen sorgen. Besonders die Abwehrreihen und Torhüter bestreiten einen Wettkampf um die beste Slapstickeinlage und nicht beim Verhindern von Toren! Hat so ein Titel überhaupt einen sportlichen Wert? Was hat ein Spieler davon, wenn er sich Afrikameister nennen darf? Eigentlich nichts. Der Afrika Cup hat bei weitem nicht den Stellenwert, den eine Europameisterschaft oder die Copa América hat. Er rangiert auf Augenhöhe mit dem Gold Cup und der Asienmeisterschaft, mehr aber auch nicht.
Auch über die sportlichen Aspekte hinaus sorgen die Funktionäre der CAF oft für Kopfzerbrechen. Als 2008 Frédéric Kanouté zum Spieler des Jahres gewählt wurde meldete sich Didier Drogba zu Wort und beschwerte sich, dass die Wahl manipuliert worden sei. Eigentlich hätte er den Preis zum zweiten Mal in Folge gewinnen sollen, doch weil er mit seinem Team noch beim Afrika Cup aktiv war (das Turnier fand in Ghana statt, die Verleihung zeitgleich in Togo) und daher die Teilnahme an der Verleihung absagen musste, soll ihm ein Verbandsmitglied gesagt haben, dass er auf den zweiten Platz zurückgestuft würde, wenn er nicht erscheine. Diese Aussagen wurden zwar vom Verband dementiert, da aber der Verband des öfteren durch zweifelhafte Entscheidungen auffällt (wie der Termin des Afrika Cups) bleiben solche Aussagen natürlich hängen.
Eine weitere dieser zweifelhaften Entscheidungen war die Vergabe des Turniers 2010 an Angola. Das Land ist innenpolitisch immer noch nicht zur Ruhe gekommen und die Rebellen in der Provinz Cabinda kämpfen weiterhin für ihre Unabhängigkeit. Dies hat die Nationalmannschaft von Togo schmerzlich zu spüren bekommen, als man vor drei Wochen in einen Hinterhalt der Rebellen geriet und es dabei mehrere Todesfälle und Verletzte gab. Die Vereine von Emmanuel Adebayor (Manchester City - heute direkt mit einem Tor gegen Portsmouth), Assimiou Touré (Bayer Leverkusen) oder Razak Boukari (RC Lens) haben ihren Spielern freigestellt, so dass sie erst wieder spielen brauchen, wenn sie sich dafür bereit fühlen. Anders sieht es die CAF. Da man nicht am Turnier teilnahm, wurde Togo jetzt von den nächsten zwei Afrikameisterschaften ausgeschlossen! Ein weiterer trauriger Höhepunkt, der die Inkompetenz des afrikanischen Fußballverbandes aufzeigt.
Wirtschaftlich lässt man sich von den großen Nationen helfen. Auf den Trainerbänken findet man Trainer aus der ganzen Welt, aber nur selten aus Afrika. Warum lässt man sich nicht auch bei der Verbandsführung helfen? Und vor allem: warum greift die FIFA nicht entscheidend durch? Solche Zustände können doch nicht im Interesse der FIFA sein?! Aber wahrscheinlich will man sich vor der WM in Südafrika nicht die Blöße geben, dass diese Entscheidung ein Fehler war. Auch wenn Südafrika und Angola so viel gemeinsam haben wie Frankreich und der Kosovo: Dieser Afrika Cup wirft ein schlechtes Licht auf die Festspiele im kommenden Sommer.
Ach ja, und wer hat dieses Jahr das Turnier gewonnen? Nicht die beste Mannschaft, sondern die, die die wenigsten Fehler gemacht hat. Zum siebten Mal insgesamt und zum dritten Mal in Folge konnte Ägypten jetzt den Sieg feiern. Bei der WM sind sie aber nicht dabei...






































1 Kommentare:
Sehr guter und wahrer Blog!!!
Viele Grüße
WilhelmFCB
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