West Ham Olympic - ist sowas wirklich nötig?
Montag, 25. Januar 2010
Für die meisten Fans hat Fußball sehr viel mit Tradition zu tun. Das ist in Deutschland so, wo viele Fans die Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg so wie die Hoffenheimer von Mäzen Dietmar Hopp lieber gestern als heute aus der Liga verbannen würden. Und natürlich ist das auch in England so, im Mutterland des Fußballs. Dort sind die Entwicklungen aber bekanntlich schon etwas weiter. Investoren schieben sich die Anteile an den Clubs der Premier League hin und her, wie sie gerade Lust und Laune haben – doch in den meisten Fällen geht es dort nur um Geld. Vereinsfarben und Vereinsnamen werden - Gott sei Dank - nur bei den wenigsten Clubs geändert.
Die bis heute unrühmlichste Übernahme fand 2002 durch Pete Winkelman statt, als er den FC Wimbledon kaufte und diesen in seine Heimatstadt Milton Keynes umsiedelte. Der Name wurde in Milton Keynes Dons (MKD) und die Vereinsfarben von blau-gelb in weiß-schwarz geändert!
Die Fans des Fulham FC mussten nach der Übernahme durch Mohamed Al-Fayed dagegen nur ein neues Vereinswappen ertragen, was andere Vereine, wie Arsenal 2002, auch unabhängig von ihren Besitzern ändern. Im Großen und Ganzen blieben die Übernahmen also ohne nennenswerte äußere Änderungen für die Fans. Anders könnte die jüngste Vereinsübernahme in der Premier League verlaufen.
Am 20.01.2010 haben David Sullivan und David Gold (zusammen mit Ralph Gold, dem Bruder von David, die früheren Besitzer des Birmingham FC) 50% der Clubanteile gekauft und wollen den Verein in eine neue, bessere Zukunft führen: "We want to have some fun"
Doch wie diese Zukunft aussehen soll, wird vielen Hammers Kopfschmerzen bereiten: Lediglich 3,8 Meilen entfernt vom Boleyn Ground wird aktuell das neue Olympiastadion für die Sommerspiele 2012 gebaut. Die ursprünglichen Pläne für das Stadion sehen ein Rückbau von 80.000 auf 25.000 Plätze im Anschluss an die Wettkämpfe vor, da das reine Leichtathletikstadion auch weiterhin nur für Leichathletikwettkämpfe genutzt werden soll.
Sullivan und Gold haben jetzt aber eine andere Idee geäußert. Sie können sich vorstellen, die Hammers zu entwurzeln und den heimischen Boleyn Ground im Stadtteil Upton Park nach über 100 Jahren zu verlassen. Der Boleyn Ground fasst lediglich 35.303 Zuschauer und ist für die Ansprüche von Sullivan und Gold zu klein. Das Olympiastadion (im Stadtteil Startford) soll zwar weiterhin zurückgebaut werden, aber anschließend als Fußballstadion 55.000 Zuschauern Platz bieten.
An sich alles Dinge, die man verschmerzen könnte. Neue und größere Stadien gibt es immer wieder, ebenso Umzüge in andere Stadtteile – zuletzt Arsenal, die vom Arsenal Stadium in Highbury ins neue Emirates Stadium nach Holloway zogen (ca. 1 Meile entfernt). Oder Manchester City, die die Maine Road in Moss Side verließen, um ins moderne, 4,8 Meilen entfernte City of Manchester Stadium (gebaut für die Commonwealth Games 2002) in Eastlands zu ziehen. Aber man blieb der Arsenal FC und der Manchester City FC - die Pläne von Sullivan und Gold gehen noch einen Schritt weiter. Sollte man ins Olympiastadion umsiedeln, dann wollen sie den Verein auch von West Ham United in West Ham Olympic umbenennen, wie Karren Brady (die neue Vize-Vorsitzende von West Ham) in ihrer Kolumne in der Sun schrieb: "We can be West Ham Olympic"
Stadion und Standort hat man dann geändert, ebenso den Namen! Ob man auch die Vereinsfarben von "claret and blue" ändert? Es wäre dann der nächste Schritt, der den Verein weiter von seinen Fans entfremden würde.
In einer Stadt, in der es aktuell fünf Erstligisten (Arsenal, Chelsea, Fulham, Tottenham und West Ham), zwei Zweitligisten (Crystal Palace und QPR), vier Drittligisten (Brentford, Charlton Athletic, Leyton Orient und Millwall) und zwei Viertligisten (Barnet und Dagenham & Redbridge) gibt, kann man froh sein, über jeden Fan, den man längerfristig an seinen Verein hat binden können. West Ham hat die letzten Jahre einen Schnitt von 34.000 Zuschauern, also eine Stadionauslastung von über 96%. Dies zeigt, dass das Interesse nach einem größeren Stadion berechtigt ist, aber man sollte den Fans nicht alles wegnehmen, was ihnen lieb ist. Wenn man sich schon vom Boleyn Ground trennen muss, dann sollte man auf jeden Fall den Namen behalten – sonst werden die Gesänge der Anhänger schneller wahr als es den neuen Besitzern lieb ist: "Then like my dreams they fade and die!" heißt es in der Vereinshymne "I’m forever blowing bubbles", die vor jedem Heimspiel gesungen wird!







































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