„Du pfeifst wie ein Arsch.“ – „Du spielst ja auch wie ein Arsch.“
Donnerstag, 11. Februar 2010
Über das Fingerspitzengefühl von deutschen Fußball-Schiedsrichtern
Wer erinnert sich nicht an diesen legendären Dialog zwischen Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder und Ex-Bayern-Star Paul Breitner? Bedauernswerterweise ist der Umgang zwischen Spielern und Schiedsrichtern auf dem Platz heutzutage ein anderer.
Augsburg vs. Köln – Ein unrühmliches Beispiel
Pokalfight in Augsburg, der Erstligist ist zu Gast. Wie jedes Spiel im DFB-Pokal ist auch dieses von Kampf und Emotionen geprägt. Der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, einen Favoriten gibt es nicht. Leider vermag es Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nicht, die aufgeheizte Atmosphäre zu beruhigen, im Gegenteil. Nach 30 Spielminuten stellt er den Kölner Chihi mit Rot vom Platz. Dieser schlägt, um sich den drängelnden Gegenspieler vom Leibe zu halten, leicht mit dem Arm nach hinten aus und trifft den Augsburger am Oberkörper. Nach der anschließenden Rudelbildung wird Chihi frühzeitig zum Duschen geschickt.
Das ruppig geführte Spiel findet in der 69. Minute seinen nächsten Höhepunkt. Nationalspieler Lukas Podolski foult einen Augsburger. Man mag spekulieren, ob Podolski die Verwarnung für das Foul oder für seinen Applaus erhalten hat. Sein Kommentar dazu: „Daumen hoch“. Des Guten zuviel für Schiri Kinhöfer, er verweist auch Podolski des Feldes.
Der Schlussakt liefert in der 85. Minute schließlich das Gespann Petit/Kinhöfer. Der Kölner wird wegen Meckerns verwarnt, da er sich im Weggehen jedoch noch wortstark beschwert, verweist Kinhöfer auch ihn des Feldes.
Der Schiedsrichter ist der Freund der Spieler… eigentlich
Der Fußballfan im Stadion und vor dem Bildschirm wird sich angesichts dieser Szenen die Augen gerieben haben. Mag der erste Platzverweis noch einigermaßen vertretbar gewesen sein, so zeugen die anderen beiden Platzverweise von Dünnhäutigkeit und mangelndem Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters. Podolskis Geste rechtfertigt in keinster Weise eine Hinausstellung. Was Petit im Weggehen von sich gegeben hat, weiß nur der Schiedsrichter. Wer die Szene jedoch noch vor Augen hat, weiß, dass Kinhöfer auch wirklich genau hingehört und regelrecht darauf gelauert hat, was der Kölner noch so von sich gibt. Hier darf der Unparteiische gerne auch mal einfach weghören.
Vertane Chance
Kinhöfer hat mit diesem Spiel eine gute Gelegenheit verpasst. Durch umsichtiges Pfeifen und weniger Selbstdarstellung hätte er gegen die von vornherein aufgeheizte Stimmung angehen können. Seine Art das Spiel zu leiten mag zwar mit dem Regelwerk konform gehen. Jedoch darf man als Schiedrichter auch mal Fünfe grade sein lassen. Fußball ist noch immer ein Spiel der Emotionen und dieser können sich auch Fußballprofis nicht entziehen. Es läuft etwas verkehrt im deutschen Fußball, wenn nicht die 22 Spieler auf dem Platz die Hauptakteure sind, sondern die „Pfeife“ in Schwarz. „Weniger ist mehr“, diesen Vorsatz sollte sich so mancher Unparteiische mal vor Augen führen und in Zukunft zu Herzen nehmen. Spiele wie in Augsburg, welche durch den Schiedsrichter entschieden werden, möchte kein Fußballfan zu sehen bekommen.
von Gastautor Ben






































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