Legenden des Weltfußballs - Teil 5: Der große Marschall
Mittwoch, 3. März 2010
Jeder Spielertyp hat ein Repertoire an Spitznamen, die den jeweiligen Eigenschaften des Spielers entsprechen. Angreifer sind Phantome, wenn sie im Spiel, außer bei ihren Toren, nicht zu sehen sind. Man nennt sie Mäuschen, wenn sie klein, wendig und dribbelstark sind und der laufstarke, dynamische Spieler ist ein Panther. Das Raubein in der Defensive ist eine Axt oder der hüftsteife Schrank mit gutem Stellungsspiel eine Mauer. Die Köpfe der Mannschaft, die das Spiel leiten, haben oft Spitznamen, die auch für Führungspositionen stehen, es sind Generäle, Kaiser oder eben ein Marschall.
Der große Marschall dirigierte sein Land bei den ersten großen internationalen Turnieren ins Feld. Das olympische Fußballturnier 1924 in Paris war das erste, bei dem Nationalmannschaften aus der ganzen Welt gegen einander antraten: 1900 nahmen europäische Vereine am Turnier teil, 1904 nordamerikanische Vereinsmannschaften und 1908, 1912 und 1920 europäische Nationalmannschaften (1920 zudem auch noch die Ägypter).
Der Kapitän des Turniersiegers Uruguays war ein Abwehrspieler aus Montevideo: José Nasazzi (wer unseren Blog über den alternativen WM-Titel gelesen hat, der dürfte den Namen schon mal gehört haben).
Nasazzi wurde am 24. Mai 1901 in Bella Vista, einem Hafenviertel von Montevideo geboren. Seine Eltern waren Einwanderer, der Vater kam aus Italien und die Mutter aus dem Baskenland.
Seine fußballerische Karriere begann in seinem Heimatviertel, beim C.A. Bella Vista. Dort spielte er sich schnell ins Rampenlicht, zusammen mit seinem Mannschaftskollegen José Leandro Andrade. Während Andrade als Stürmer die wichtigen Tore für Verein und Nationalmannschaft schoss dirigierte Nasazzi das Spiel und sorgte für einen sicheren Stand der Abwehr. 1923 standen beide im Aufgebot der Uruguayer, bei der Copa America welche man souverän gewann. Nasazzi wurde dabei zum besten Spieler des Turniers gewählt.
Im folgenden Sommer konnte man dann in Paris den Gewinn der olympischen Goldmedaille feiern, bevor man im Herbst den Titel bei der Copa America verteidigte. 1925 nahm Uruguay an der Copa America nicht teil, da es innerhalb des Verbands Streitereien gab, aber bei seiner dritten Teilnahme 1926 gelang Nasazzi der dritte Sieg, ehe man ein weiteres Jahr später nur noch Platz 2 hinter Argentinien belegte.
Nasazzi und die Uruguayer waren zu diesem Zeitpunkt, neben den Argentiniern, die Stars des südamerikanischen Fußballs. Und bei den nächsten Olympischen Spielen (1928 in Amsterdam) waren sie als Titelverteidiger natürlich wieder Favorit auf den Titel. Der Marschall führte seine Mannen wieder ins Finale, wo man auf den großen Widersacher Argentinien traf. Das Finalspiel endete 1:1 nach Verlängerung und drei Tage später musste ein Entscheidungsspiel über den Sieger entscheiden. Durch ein 2:1 konnten die Uruguayer ihr olympisches Gold verteidigen. Da bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles kein Fußballturnier gespielt wurde, konnte Nasazzi den Titel-Hattrick nicht komplett machen.
Dafür war er der erste Spieler, der den Coupe Jules Rimet in den Himmel recken durfte.
1930 trug die FIFA zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft aus – in Uruguay. Sowohl die Charrúas (die Himmelblauen), wie die Uruguayer wegen ihrer Trikots genannt werden, als auch die Argentinier zogen ungefährdet ins Finale ein (beide gewannen ihr Halbfinale mit 6:1) um erneut die Klingen zu kreuzen. Zur Halbzeit führten die Argentinier mit 2:1, aber Nasazzi und seine Mitstreiter konnten das Spiel noch drehen und gewannen mit 4:2.
Nasazzi hatte alles erreicht, was man als Nationalspieler gewinnen konnte. Weltmeister, Olympiasieger und insgesamt vier Mal die Copa America. Nur auf Vereinsebene hatte er noch kein Glück, obwohl mit ihm und Andrade die zwei Stars der Nationalmannschaft zusammen bei C.A. Bella Vista spielten. Daher wechselte er 1933 zum großen Stadtrivalen Nacional Montevideo. Dort konnte er sowohl 1933 als auch 1934 die Meisterschaft feiern.
Nach seinem vierten Triumph bei der Copa America (1935) beendete er 1937 seine Karriere als Fußballer und er wurde Generaldirektor der Montevideoer Spielkasinos. Ein kurzes Comeback gab er 1942, als er Pedro Cea nach dem Gewinn der Copa America als Nationaltrainer ablöste, doch als man bei der nächsten Copa 1945 nur den vierten Platz belegte, war seine Trainerkarriere wieder vorbei.
Neben dem Nasazzi-Stab (s.o.) erinnert heute auch das Stadion des C.A. Bella Vista an seinen großen Helden, dessen Namen es heute trägt.






































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