Torlinientechnologie abgelehnt, die 3. Halbzeit lebt weiter *UPDATE*
Freitag, 28. Mai 2010
Die UEFA hat nach Beendigung der Europa League Saison die Arbeit der Torrichter ausgewertet und ist zu einem positiven Fazit gekommen.
"Wir haben das Experiment in der UEFA Europa League gemacht, es lief gut und wir wollen es fortsetzen. Es ist schwer, etwas Negatives in diesem Experiment zu finden. Wir müssen nun die Formalitäten erfüllen und einen Antrag an die FIFA stellen und wir hoffen, dass die FIFA diesem Antrag zustimmen wird."UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino
In der folgenden Saison sollen die Torrichter im UEFA-Superpokal zwischen Inter Mailand und Atletico Madrid, in der Champions League (ab den Play Offs) und erneut in der Europa League (ab der Gruppenphase) eingesetzt werden. Zudem hat die UEFA bei der FIFA und dem IFAB den Antrag gestellt, dass bei der EM 2012, so wie in der Qualifikation zu EM 2012, ebenfalls fünf Unparteiische eingesetzt werden.
Ursprünglicher Artikelvom 06.03.2010
Zum Fußball gehören Emotionen. Auf dem Platz und natürlich auch daneben. Selbst wenn das Spiel abgepfiffen ist, ist es mit den Emotionen noch nicht vorbei. In der "dritten Halbzeit" wird nicht nur das Bier genossen, sondern auch gerne über vergebene Chancen diskutiert. Aber nicht immer ist die eigene Mannschaft schuld am Unvermögen vor dem Tor. Auch die Schiedsrichter tragen oft ihren Teil dazu bei. Falsche Abseitsentscheidungen und nicht gegebene Strafstöße stehen immer hoch im Kurs. Aber auch nicht gegebene Tore, bei denen der Ball hinter der Linie war, sind sehr beliebt an allen Stammtischen quer durch die Republik.
Besonders auf diese Wembley-Tore haben sich viele "Experten" in der letzten Zeit eingeschossen. Mit einer Torkamera oder einem Chip im Ball könnte man eindeutig klären, ob der Ball zu 100% hinter der Linie ist... Oder eben nicht. Die Vorteile dieser Technik sind eindeutig. Die Engländer wären 1966 nicht Weltmeister geworden. Die Bayern hätten am 1. Spieltag gegen Hoffenheim verloren und auch Christian Tiffert hätte sich gegen den FSV Frankfurt nicht als Torschütze feiern dürfen.
Der im Chip im Ball würde dem Schiedsrichter ein elektronisches Signal zukommen lassen, so dass dieser sofort weiß, ob der Ball im Tor war. Anders beim Videobeweis, bei dem das Spiel erst unterbrochen werden müsste, bevor der Schiedsrichter sich eine Meinung über die Situation bilden kann. Und wie man heute schon oft genug in den Expertenrunden sehen kann, selbst hier sind die Bilder nicht immer eindeutig und wenn nicht gerade ein eindeutiger Fall vorliegt, wie bei Tiffert, dann kann sich so eine Betrachtung über mehrere Minuten hinziehen.
Zum Glück gibt es in der FIFA ein Gremium, das über solche Fragen entscheidet. Das International Football Association Board hatte bei der 124. Jahresversammlung auch die Thematik Torlinientechnologie auf dem Tagesplan. Nachdem man sich über die verschiedenen Möglichkeiten ausgetauscht hat, fiel das Ergebnis eindeutig aus: Es wird keine Revolution bei der Torentscheidung geben.
"Wir waren uns alle darin einig, dass die Technik nicht Einzug in den Fußball halten darf. Denn es ist unser Wunsch, dass der Fußball menschlich bleibt, denn das macht seine Schönheit aus. Die Fans erzählen sich immer wieder aufs Neue von diesen Spielen, leben diese Spiele nach."
Patrick Nelson, Vertreter des nordirischen Verbands
Fehler gehören einfach zum Spiel und sie machen auch einen Großteil des (Nach-)Spiels aus. Für die Befürworter dieser Technologien, wie Felix Magath, ist diese Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Freunde der Stammtischdiskussionen werden sich jedoch über dieses Urteil freuen. Aber noch sind nicht alle Würfel gefallen. Es gibt noch eine dritte Option, für die der IFAB und die FIFA eine Tür offen gelassen haben. In der UEFA Europa League wird diese Saison der Torrichter getestet, der bei strittigen Situationen dem üblichen Gespann unter die Arme greifen kann und soll.
Da dieser Test noch bis zum Finale am 12. Mai läuft wird es in diesem Jahr eine Sondersitzung des IFAB geben, auf der über das Pro und Contra der zusätzlichen Schiedsrichter diskutiert wird, um zu einer endgültigen Entscheidung zu gelangen. Sollte der Torrichter eingeführt werden, bleibt der Fußball immer noch menschlich. Allerdings hat man in dieser Europa League Saison schon gesehen, dass auch diese zusätzlichen Entscheidungsträger nicht frei von Fehlern sind. Mit jedem ihrer Fehler würde ihr Sinn in Zukunft aufs Neue diskutiert und den Ruf nach den elektronischen Hilfsmitteln erneut lauter werden.
Ganz oder gar nicht sollte hier die Devise sein. Wenn man die eindeutige Technologie nicht will, dann sollte man auch auf die Augenwischerei durch Torrichter verzichten, drei Feindbilder in Schwarz sind schon genug. Und diskutiert wird eh, ob mit ihnen oder eben ohne sie. Davon lebt der Fußball, Emotionen gehören dazu!






































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