DFB Pokal Finale der Frauen
Dienstag, 27. April 2010
Frauenfußball boomt! Immerhin kamen 2009 im Schnitt fast 23.000 Fans zu den Länderspielen unserer Nationalmannschaft. In den letzten zehn Jahren wurden wir zweimal Weltmeister (2003, 2007), dreimal Europameister (2001, 2005, 2009) und bei Olympia gab es dreimal Bronze (2000, 2004, 2008).
Doch auf die Liga färbt dieser Boom bisher nicht ab. Im Schnitt kommen 750 Fans zu den Spielen in der 1. Bundesliga. Lediglich die drei Spitzenteams aus Duisburg, Frankfurt und Potsdam brechen regelmäßig die 1.000-Tickets-Marke. Das Schlusslicht Tennis Borussia Berlin spielt seine Heimspiele vor nur 150 Zuschauern. Eine Zahl, die bei den männlichen Kollegen von Kreisligisten erzielt wird. Der Regionalligist Rot-Weiß Essen zog in dieser Saison schon mehr Zuschauer bei seinen Heimspielen an als alle zwölf Frauen-Bundesligisten zusammen!
Unter diesem Desinteresse litt in der Vergangenheit auch immer das DFB-Pokal Finale der Frauen. Als Vorspiel für die Männer wurde es seit 1985 in Berlin in einer Doppelveranstaltung mit dem Herrenfinale ausgetragen. Doch die Ränge im Olympiastadion waren immer weitestgehend leer. Erst in der Mitte der zweiten Halbzeit beginnen die Fans für das "Hauptspiel" am Abend auf die Ränge zu pilgern.
Um den Frauen mehr Aufmerksamkeit zu schenken hat der DFB in diesem Jahr wieder ein eigenes Finale organisiert. Im Kölner RheinEnergieStadion findet das Spiel am 15. Mai statt! An dem Tag also, an dem auch das Spiel zwischen Bayern München und Werder Bremen in Berlin stattfindet. Und auch die Anstoßzeiten sind identisch mit denen des Vorjahres. Was hat sich also geändert? Ein anderes Stadion klar, aber sonst?
Das Interesse der Fans hält sich in Grenzen. Bisher wurden rund 8.500 Tickets verkauft. In einer Arena mit 46.000 Plätzen sind das keine 20%. Doch woran liegt das?
Zum einen an der Finalpaarung FCR Duisburg gegen USV Jena. Seit dem Aufstieg von Jena 2008 hat man viermal gegen Duisburg gespielt. Keines dieser Spiele konnte man gewinnen. Man konnte auch kein Tor schießen, hat aber selber 19 Stück kassiert. Sieht so ein sportlicher Herausforderer für den Titelverteidiger aus? Nicht wirklich, aber da kann der DFB ja nichts für.
Für das andere und wahrscheinlich größere Problem hingegen schon. Dass man die Frauen ihr eigenes Finale austragen lässt, ist die richtige Entscheidung. Die Zuschauerzahlen der Nationalmannschaft zeigen ja, dass es theoretisch genug Fans für Frauenfußball gibt. Auch mit Blick auf die WM im kommenden Sommer in Deutschland ist ein eigenes Finale ein weiterer Schritt aus dem Schatten der Männer. Aber hätte man diesen Schritt nicht anders umsetzen müssen?!
Wenn man sich schon vom Finale in Berlin lossagt, warum legt man das eigene Finale nicht auf einen eigenen Tag? Dem Zuschauer vor den Fernsehgeräten ist es egal, ob das Vorspiel am Nachmittag in Berlin, Köln, Frankfurt oder Rostock ausgespielt wird. Es läuft nur nebenbei, während man im Garten grillt und sich langsam auf das "große Finale" am Abend einstimmt. Man muss also die Fans mobilisieren ins Stadion zu kommen! Doch wer will sich ein Finale der Frauen am Nachmittag anschauen, wenn er durch eine mögliche Verlängerung oder eine längere Heimfahrt die ersten Minuten des Herrenfinals verpassen könnte? Das sind doch nur die Fans von Duisburg und Jena, die auch nach Berlin gefahren wären.
In dieser Form macht der Umzug von Berlin nach Köln keinen Sinn. Gebt den Frauen nicht nur ein eigenes Stadion, sondern auch einen eigenen Termin! Warum trägt man es nicht einen Tag später, am Sonntagnachmittag, aus? Klar, an dem Abend findet aktuell ein Relegationsspiel statt, aber zum einen könnte man die beiden Rückspiele um einen Tag nach hinten verschieben und zum anderen ist die Konkurrenz eines Relegationsspiels bei weitem nicht so groß wie das DFB-Pokal Finale der Herren. Dann könnte auch das Pokal Finale der Frauen ein eigener Event werden! In Berlin haben zuletzt immerhin schon 20.000 bis 30.000 Zuschauer den Weg frühzeitig ins Stadion gefunden – in Köln kämpft man (noch) mit der 10.000 Zuschauergrenze.






































1 Kommentare:
Ich habe nicht verstanden, wieso der DFB das Ding nicht in ein kleineres Stadion gelegt. So wird sich ja niemals ein Verknappungseffekt bei den Tickets einstellen. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin würde mir spontan einfallen.
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