Legenden des Weltfußballs - Teil 8: Der tanzende Löwe
Mittwoch, 2. Juni 2010
Als Albert Roger Mooh Miller sich 1989 im Alter von 37 Jahren dazu entschloss seine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen, da hätte er sich nicht einmal im Traum ausmalen können, was der Fußballgott mit ihm noch vorhaben sollte. Doch fangen wir am Beginn seiner bis dahin schon über 20 Jahre dauernden Karriere an...
Bereits mit 13 Jahren unterschrieb er 1965 einen Vertrag bei Eclair de Douala, wo er dann drei Jahre später sein Debüt in der 1. Mannschaft feierte. Wegen seiner guten Leistungen wechselte er dann 1970 zum damaligen Spitzenclub Léopard de Douala, wo er schnell zum Leistungsträger avancierte. In 117 Ligaspieler erzielte er 89 Tore und war maßgeblich an den beiden Meisterschaften 1972 und 1973 beteiligt.
Zur Saison 1974/75 zog es ihn in seine Heimatstadt Yaoundé, wo er sich dem aktuellen Pokalsieger Tonnerre Yaoundé anschloss. Mit diesem konnte er 1976 den afrikanischen Pokal der Pokalsieger gewinnen. Im gleichen Jahr wurde er zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt, nachdem er im Jahr zuvor auf dem 2. Platz landete. Umso erstaunlicher, dass er sein Debüt für die Nationalmannschaft Kameruns erst 1978 gab.
Dank Spielern wie Salif Keita oder Laurent Pokou standen schwarzafrikanische Stürmer in Frankreich zu diesem Zeitpunkt hoch im Kurs und auch Roger Milla, wie Miller inzwischen genannt wurde, folgte 1977 dem Ruf aus Europa. Doch es dauerte einige Jahre, bis er dort sportlich angekommen sein sollte.
Nach den Stationen US Valenciennes, AS Monaco und SEC Bastia landete er 1984 beim früheren Spitzenclub AS Saint-Étienne, der ein Jahr zuvor in die 2. Liga abgestiegen war. Er wurde zwar zweimal Pokalsieger (1980 mit dem AS Monaco, 1981 mit SEC Bastia), doch war er dort meistens nur Ersatzspieler.
Anders in Saint-Étienne, wo er zu alter Stärke zurückfand und Stammspieler wurde. In 31 Saisonspielen war Milla 22 Mal erfolgreich und man konnte die Saison mit 48 Punkten auf dem 2. Platz der Gruppe B abschließen. In der Aufstiegsrelegation unterlag man jedoch Stade Rennes, so dass man ein weiteres Jahr im Unterhaus spielen musste. Mit neun Toren in 28 Spielen war die Saison für Milla zwar nicht so erfolgreich, wie die vorangegangene, aber am Ende sollten 46 Punkte für die Tabellenspitze der Gruppe A und den damit verbundenen direkten Aufstieg ausreichen.
Doch nicht für Roger Milla. Er wechselte nach dem Aufstieg den Verein. Mit dem HSC Montpellier verbrachte er noch eine Saison in der 2. Liga und trug 18 Tore zum Aufstieg bei. Im ersten Jahr in der 1. Liga konnte Montpellier sich als Dritter (bis heute die beste Platzierung in der League 1) überraschend für den UEFA-Cup qualifizieren. Allerdings wurde die Reise durch Europa bereits in der 1. Runde von Benfica Lissabon beendet. Nach Platz 14 im zweiten Jahr, in dem Milla kein Stammspieler mehr war, beschloss er seine Karriere im Sommer 1989 zu beenden.
Obwohl er in Frankreich nur einer von vielen war, war er in seiner Heimat ein Held. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien waren die "unzähmbaren Löwen" die erste afrikanische Mannschaft von südlich der Sahara, die an einer WM-Endrunde Teil nahmen. Und obwohl man gegen Italien, Polen und Peru ohne Niederlage blieb, schied man in der 1. Finalrunde aus, da man ein Tor weniger erzielt hatte, als der spätere Weltmeister Italien. Die Afrikameisterschaften 1984 und 1988 konnte er mit Kamerun gewinnen, 1988 wurde er zudem mit zwei Toren Torschützenkönig des Turniers. Genau wie 1986 (vier Tore), als er auch zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde – allerdings unterlag man dort im Finale Ägypten mit 4:5 im Elfmeterschießen. Nach dem Sieg beim Afrika Cup 1988 gab Milla das Ende seiner Laufbahn im Nationalteam bekannt.
Rogar Milla wollte nach der aktiven Karriere Trainer werden. Um für den Trainerschein zu lernen zog er sich auf die Insel Réunion im indischen Ozean zurück. Dort erhielt er dann einen Anruf von Paul Biya, dem Präsidenten von Kamerun, der ihn bat, sich die Sache mit dem Ruhestand noch mal durch den Kopf gehen zu lassen um die "unzähmbaren Löwen" bei ihrer zweiten Weltmeisterschaft 1990 in Italien zu unterstützen.
Das erste Gruppenspiel konnte man trotz zweier Platzverweise mit 1:0 gegen den Titelverteidiger Argentinien gewinnen. Roger Milla wurde dabei erst spät, in der 81. Minute, eingewechselt. Im zweiten Spiel betrat er schon nach 58 Spielminuten den Platz, um sich in der 76. Minute unsterblich zu machen. Mit 38 Jahren wurde er zum ältesten Torschützen bei einer Fußball Weltmeisterschaft, als er den rumänischen Torhüter Silviu Lung bezwang und im Anschluss zum ersten Mal bei dieser WM zur Eckfahne lief um mit ihr Lambada zu tanzen – heute einer der bekanntesten und meist kopiertesten Torjubel der Fußballgeschichte. In der 86. Minute legte er noch ein weiteres Tor nach und durch den 2:1 Sieg war Kamerun bereits vorzeitig für Achtelfinals qualifiziert.
Dort traf man auf Kolumbien mit ihren Stars Carlos Valderrama, Freddy Rincón, Andrés Escobar und dem exzentrischen Torhüter René Higuita. Trotz seiner starken Auftritte in der Vorrunde musste Milla auch in diesem Spiel zunächst auf der Bank Platz nehmen, wurde aber im Laufe der 2. Halbzeit eingewechselt. Da nach 90 Minuten noch keine Tore gefallen waren, ging das Spiel in die Verlängerung, wo Milla Kamerun in der 106. Minute in Führung brachte, bevor er nur drei Minuten später das Tor seines Lebens schießen sollte. Der für seine Ausflüge bekannte Higuita verdribbelte den Ball an Milla, der den Ball nur noch ins leere Tor schießen musste.
"Er wollte mich umdribbeln. Man umdribbelt Milla nicht!"
Roger Milla über sein Tor zum 2:0 gegen Kolumbien
Im Viertelfinale war Milla nicht mehr erfolgreich und die Löwen wurden in der Verlängerung von den Engländern gezähmt. Man schied durch ein 2:3 aus, doch Milla holte den Strafstoss, der zum 1:1 führte, heraus und das zwischenzeitliche 2:1 durch Eugene Ekeke bereitete er vor. Für seine Leistungen in Italien wurde er 1990 zum zweiten Mal zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt.
Durch die WM beflügelt unterschrieb er einen neuen Vertrag bei seinem früheren Verein Tonnerre Yaoundé, wo er vier weitere Jahre spielen sollte. 1994 qualifizierte sich Kamerun erneut für die Weltmeisterschaft und Roger Milla stand trotz seines Alters von 42 Jahren im Kader und war somit der erste afrikanische Spieler, der an drei WM-Endrunden teilnahm. Zwar schieden die Kameruner diesmal bereits in der Vorrunde aus, doch auch in diesem Turnier durfte Roger Milla ein letztes Mal tanzen, als der das zwischenzeitliche 1:3 im letzten Gruppenspiel gegen Russland erzielte. Das Spiel stand allerdings im Zeichen des russischen Stürmers Oleg Salenko, der ganze fünf Tore erzielen konnte, so dass diese Paarung gleich zwei WM-Rekorde (meiste Tore in einem Spiel und ältester WM-Torschütze) hält.
Nach der WM 1994 wechselte er nach Indonesien, wo er noch zwei Jahre bei Pelita Jaya spielte, bevor er dann 1996 endgültig von der Fußballbühne als aktiver Spieler verschwand. 2004 wurde er von Pelé als einer von fünf afrikanischen Spielern in die FIFA100 gewählt und 2006 zeichnete ihn der afrikanische Fußballverband CAF als den besten Spieler der zurückliegenden 50 Jahre aus.






































20 Kommentare:
Roger Milla ist ja wirklich eine Legende für den afrikanischen Fußball. Euer Blog ist einfach super immer neue Legenden von denen die Jungen heute nicht mal wissen was für tolle Fußballer das waren, weiter so!!!
Da kann ich nur zustimmen, aber ich hab es bei der WM unnötig gefunden das er Samuel Etoó so scharf kritisiert hat, der hat doch für Kamerun auch schon einiges geleistet!
Da kann ich Hans nur recht geben die Kritik war zu unrecht und abgesehen davon kann Etoò alleine auch nichts ausrichten wenn das restliche Team einfach zu schwach ist.
Roger Milla, einfach der einfach ein legendärer Torjubel und toller Stürmer, aber seine Kritik an Etoó kann ich auch nicht ganz verstehen und damit hat er Etoó fast dazu gebracht nicht an der WM teilzunehmen was für Kamerun sicher noch schlechter gewesen wäre!
Schön und gut aber ich finde Etoò hat mit seiner oft arroganten und sehr eigenen Art auch selbst ein bisschen zu dieser Kritik beigetragen!
Stimmt man hört das ja von vielen Seiten das Etoò kein einfacher Typ ist aber am Platz ist er dafür umso stärker!
Ich finde deinen gesammten Blog sehr genial, mit dem Legenden Thema und dann auch noch die Bundesliga mit Tabelle und Ergebnissen und Championsleague sowie Euroleague News!
Echt toller Blog muss ich sagen, werde ihn auch gleich weiter Empfehlen, gut geschrieben, nette Berichte echt super!
Ja der Blog ist toll, aber zum Thema Etoò muss ich sagen das er die Kritik schon verdient hat nachdem er immer so arrogant und eigensinnig ist!
Dein Blog ist einfach genial, alles was das Fußballherz begehrt, neben dem aktuellen mag ich deinen Legenden Blog sehr gerne, gut und spannend geschrieben einfach toll!
Toller Blog und ich muss sagen du hast genau die richtigen Legenden ausgewählt, diese Fußballer kennt doch heutzutage kein jugendlicher mehr!
Zum Thema Etoò kann man nur sagen das er gestern wieder mal gezeigt hat wie es geht,...drei Tore gegen Bremen ich würde sagen Tore sprechen für sich!!!
Ja genau, Etoò ist einfach eine Klasse für sich wie man ja gesehen hat, da können seinen Kritiker mal sehen was er drauf hat!
@ Rudolf
Ja da muss ich dir recht geben. Ich kannte sie nicht, jetzt jedoch natürlich schon ;)
Stimmt genau Etoò ist einfach der Beste man hat es gegen Werder ja wieder mal gesehen!
Wow, hier ist ja auf einmal richtig viel los.
Danke für euer Lob und euer Feedback. Uns freut es natürlich, dass euch die Legenden-Serie gefällt. Nächsten Mittwoch geht es weiter. Auf euch wartet einer der größten Trainer aller Zeiten...
Die Geschichte von Roger Milla ist in Kamerun , quasi ein Mythos in sachen Fussball. Er hat sein Land geehrt durch seine Fussball Leistungen. Aus diesem Grund spricht man von: <>. Und der Präsident, Paul Biya hat im dafür belonht. Er ist heute ein Botschafter von Kamerun, in allen Sportbereichen...sozusagen ein Minister in der Bestufung.
Albert Roger Milla hat einen schwierige Weg im Fussball gehabt, aber heute im alter erntet er die Früchte seines Arbeits.
Miller wie er hierzulande gennant wird, bleibt eine Wichtigen Fussball Ikone in Kamerun und sogar auf der Welt.
Natürlich ist diese Geschichte von Roger Milla wahr. Die Kameruner sind alle ganz froh und dankbar Miller noch zu haben.
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