Beobachtungen des 3. Spieltags - Der perfekte Saisonstart? Unbezahlbar!

Dienstag, 14. September 2010

Was haben wir uns gefreut, wenn wir in den letzten Wochen und Monaten morgens die Zeitung aufgeschlagen haben oder die News-Ticker der diversen Internetportale verfolgt haben, um zu sehen, welcher Star der nächste ist, der den Weg in die Bundesliga findet. Die Bundesliga im Kaufrausch, auch wenn man unterm Strich weniger Geld in neue Spieler investiert hat als in den drei vorangegangenen Jahren. Dennoch lassen einige Namen den Fans das Wasser im Munde zusammen laufen. Egal ob Raúl, Ballack, Metzelder (alle drei kamen ablösefrei), Huntelaar, Camoranesi, Jurado, Diego oder Wesley – die Hoffnungen, die die Fans in ihre neuen Spieler stecken sind groß. Aber Erfolg kann man sich nicht kaufen, wovon besonders Real Madrid in den letzten Jahren ein Lied singen kann.


Und Real Madrid ist auch das Stichwort, wenn man an Schalke 04 denkt. Im Sommer 2003 hatte man auf Schalke Interesse am Real-Stürmer Fernando Morientes. Doch der Transfer konnte nicht realisiert werden. Stattdessen fand der Österreicher Edi Glieder vom SV Paschingen den Weg ins Ruhrgebiet. Als dann in diesem Sommer erneut die Gerüchte aufkamen, dass einer der Stürmer von den Königlichen zu den Königsblauen wechseln könnte, da erwarteten die meisten Fans, dass am Ende erneut nur ein neuer "Edi Glieder" den Fans präsentiert wird. Doch in diesem Sommer fand tatsächlich ein Star den Weg von Madrid nach Gelsenkirchen. Raúl González Blanco, seines Zeichens erfolgreichster Stürmer der Champions League, unterschrieb bei Schalke. Und damit nicht genug. Auch der frühere Real-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar kam für 14 Millionen vom AC Mailand. Ebenfalls aus Madrid, allerdings von Europa League Sieger Atlético Madrid, kam der Spielmacher José Manuel Jurado für 13 Millionen. Insgesamt über 36 Millionen gab Felix Magath für 12 Spieler aus. Ein Schritt in eine neue, bessere Zukunft auf Schalke. Und besser heißt beim Vize-Meister eigentlich nur Meisterschaft!
Doch ähnlich wie die Träume von Real Madrid in der Champions League zuletzt immer im Achtelfinale ausgeträumt waren, können die Schalker ihre Meisterträume bereits nach drei Spieltagen ad acta legen. Drei Spiele, drei Niederlagen und 2:6 Tore. Noch nie konnte ein Team Meister werden, wenn es die ersten drei Saisonspiele verloren hat – als Schalke das letzte Mal zum Saisonauftakt drei Spiele verlor (1987/1988) stieg man am Ende der Saison sogar ab!

Noch mehr Geld als Schalke 04 investierte nur der VfL Wolfsburg in neue Spieler. Diego, Simon Kjear, Mario Mandžukic, Arne Friedrich, Nassim Ben Khalifa und Cicero ließen sich die Wölfe fast 40 Millionen kosten. Zudem steht mit Steve McClaren ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Dieser stellte das System um (von 4-4-2 auf 4-2-3-1), sägte Spielmacher Zvjezdan Misimovic ab und ersetzte ihn durch Diego und setzte, in Folge der Systemumstellung, den brasilianischen WM-Fahrer Grafite und Bundesligatorschützen 2008/2009 auf die Bank. Trotzdem steht man auch in Niedersachen nach dem 3. Spieltag mit leerem Punktekonto da. Die Niederlage in München war unglücklich, aber gegen Mainz verspielte man zu Hause eine 3:0 Führung und man verlor mit 3:4. Und in Dortmund zeigte man eine weitestgehend uninspirierte Leistung und verlor völlig zu Recht mit 0:2. Genau wie bei Schalke (gegen Dortmund), steht in der kommenden Woche auch in der VW-Arena das Derby auf dem Programm. Vielleicht schon die letzte Chance für den Trainer, die Kurve noch zu bekommen und nicht bereits nach vier Spieltagen wieder entlassen zu werden.

Da aller guten Dinge immer drei sind, findet man am Tabellenende noch ein drittes Team, das bisher noch nicht punkten konnte. Allerdings kann man diese Tatsache in Stuttgart etwas entspannter sehen – immerhin war man es zuletzt nicht anders gewohnt. Als Meister 2007 begann man in der darauf folgenden Saison durchwachsen mit einem Sieg (am 3. Spieltag), einem Unentschieden und einer Niederlage. Ein Jahr später verlief der Start mit zwei Siegen und einer Niederlage zwar erfolgreicher, aber nach 15 enttäuschenden Spieltagen (die letzten fünf Spiele hatte man verloren) musste der ehemalige Meistertrainer Armin Veh seine Koffer packen und wurde durch Markus Babbel ersetzt. Dieser konnte die Saison mit Platz 3 zwar noch retten, aber nach der Sommerpause hatte auch er seine Probleme. Mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage startete er, genau wie Veh zwei Jahre vorher, verhalten in die Saison und konnte den Schwung der vorangegangenen Rückrunde nicht mit in die neue Spielzeit retten. Und genau wie ein Jahr zuvor wurde auch Babbel nach dem 15. Spieltag entlassen. Babbel wurde durch Gross ersetzt und erneut konnte man mit einer erfolgreichen Rückrunde ("Rückrundenmeister" vor den Bayern) vieles retten.
Doch konnten seine Vorgänger noch den totalen Kollaps zum Saisonstart verhindern, so steht Gross in dieser Saison nach dem 3. Spieltag noch ohne Punkte da. Gibt ihm der neue Manager Fredi Bobic auch 15 Spieltage, bis er die Reißleine zieht? Oder wird der Stuhl von Christian Gross bereits früher wackeln, als der seiner Vorgänger?

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