Legenden des Weltfußballs - Teil 9: Pichichi – die kleine Ente

Mittwoch, 1. September 2010

In jedem Land gibt es Fußballer, mit denen die eigene Geschichte, teilweise sogar die Geschichte der gesamten Fußballwelt, verknüpft ist. Was Artur Friedenreich für Brasilien war, was José Nasazzi für Uruguay war oder was Fritz Walter für uns Deutsche war und ist, das ist in Spanien Rafael Moreno Aranzadi, besser bekannt unter seinem Spitznamen Pichichi.


Mit gerade einmal 154 cm Körpergröße gehört er zu den kleinsten Stars aller Zeiten. Selbst ein Lionel Messi ist mit 169 cm deutlich größer. Dennoch ist er bis heute einer der größten Stars aller Zeiten, was er aber auch der spanischen Sportzeitung Marca zu verdanken hat. Zur Saison 1952/53 entschied sich die Marca den Torschützenkönig der 1. spanischen Liga mit einer besonderen Trophäe auszuzeichen, der "Trofeo Pichichi". Als erster Spieler gewann Telmo Zarraonaindia diese Trophäe, der genau wie Aranzadi bei Athletic Bilbao spielte. Im laufe der Jahre gewannen viele Spieler wie Alfredo Di Stéfano, Ferenc Puskás, Luis Aragonés, Mario Kempes, Romário, Ronaldo, Raul bis hin zu Messi in der abgelaufenen Saison diese Trophäe und wurden und werden so an einen der ersten spanischen Stürmer-Stars erinnert.
Trotz seiner geringen Größe war Aranzadi auf dem Platz immer sehr gut zu erkennen, da er meistens mit einem weißen Kopftuch spielte.


Pichichi begann seine Karriere bei Athletic Bilbao. Sein erstes Spiel war ein Pokalspiel am 17. März 1913 gegen Real Madrid. Bilbao konnte dieses Spiel mit 3:0 gewinnen und zog in dieser Saison sogar ins Pokalendspiel ein, was man aber mit 0:1 gegen Rácing de Irún verlor.
Zu diesem Zeitpunkt gab es als Vereinswettbewerb nur die Copa del Rey (ertsmals 1902 ausgespielt). Erst in der folgenden Saison wurde mit der Campeonato Regional Norte eine regionale Liga für Vereine gegründet. Eine landesweite Liga, die heutige Primera Divison, wurde erst 1929 eingeführt.

Atletico war zu diesem Zeitpunkt eine der dominierenden Mannschaften im spanischen Fußball und man konnte bereits vier Mal den Pokal gewinnen und stand drei weitere Male im Endspiel. Als zur Saison 1913/14 die regionale Meisterschaft begann, weihte man in Bilbao ein neues Stadion ein, das Estadio San Mamés. Neben dem 1908 gebauten El Molinón in Gjion ist La Catedral, wie das Estadio San Mamés auch genannt wird, das älteste Fußballstadion in Spanien.
Das erste Spiel fand am 21. August statt und war eine Neuauflage des vorangegangenen Pokalendspiels gegen Rácing de Irún. Zwar konnte man erneut nicht gewinnen (Endstand 1:1), doch Aranzadi erzielte mit dem zwischenzeitlichen 1:0 den ersten Treffer in der neuen Heimstätte.

Durch das neue Stadion und durch ihren neuen Star sollte Bilbao die Vormachtstellung im spanischen Fußball in den nächsten Jahren ausbauen können. In den Jahren 1914, 1915 und 1916 konnte man das Double aus regionaler Meisterschaft und nationalem Pokal gewinnen.
Doch jede Serie geht einmal zu Ende. Nach drei Jahren Dominanz musste man vier Jahre auf den nächsten Meistertitel warten, bevor man dann 1921 zum vierten Mal das Double gewinnen konnte.


Im Sommer 1920 erreichte Pichichi den Höhepunkt seiner Karriere, als er bei den olympischen Sommerspielen in Belgien als Teil der ersten spanischen Nationalmannschaft die Silbermedaille gewinnen konnte. Insgesamt lief er aber nur in fünf Spielen für die Nationalmannschaft auf und erzielte dabei lediglich ein Tor beim 3:1 Sieg über die Niederlande im Spiel um Platz 2.

Deutlich erfolgreicher war er da bei seinem Heimatclub. Bereits in seinem ersten Spiel gegen Real Madrid erzielte er einen Doppelpack. Im Pokalfinale traf er ebenfalls einmal.
In seiner ersten Meisterschaftssaison konnte er in neun Spielen sieben Tore zur Meisterschaft beisteuern.
Noch erfolgreicher war er in der Spielzeit 1914/15, als er in zehn Spielen ganze 17 Mal erfolgreich war. Im Spiel gegen Jolastokieta erzielte er sogar alle fünf Tore beim 5:1 Sieg.
Zwischen 1913 und 1921 absolvierte er 89 Pflichtspiele für Athletic Bilbao und schoss dabei 78 Tore.

Das Pokalfinale am 8. Mai 1921 gegen Atletico Madrid sollte sein letztes Spiel sein. Er konnte sich zwar nicht in die Torschützenliste eintragen, aber Bilbao gewann das Spiel mit 4:1. Im Anschluss an sein viertes Double beendete er im Alter von 29 Jahren seine Karriere.
Ein Jahr später starb er an den Folgen einer Typhuserkrankung.


Schon bevor die Marca die Torjägertrophäe Pichichi widmete, wurde er von seinem Verein in seinem Wohnzimmer geehrt. Unter dem Dach der Haupttribüne hat man eine Büste von Aranzadi aufgestellt. Spielt eine Mannschaft, so wie in der vergangenen Europa League Saison Werder Bremen, das erste Mal im Estadio San Mamés, dann muss der Kapitän der Gastmannschaft dem baskischen Idol seine Ehre erweisen und wird dazu vor dem Spiel vom aktuellen Kapitän die Tribüne hinaufbegleitet, wo der Kapitän der Gastmannschaft einen Blumenstrauß vor der Büste niederlegen muss.

3 Kommentare:

Paul 13. September 2010 14:42  

Pichichi die kleine Ente. Ein Wunder das man von ihm wieder einmal etwas hört! Ein Idol in meine Jugend!!

Thomas 21. September 2010 12:47  

Das waren noch Zeiten! Der konnte einfach kicken! Noch heute erzählt mein Vater Geschichten von ihm!!

Wolfgang 22. September 2010 17:53  

Ein echter Pfundskerl! Heute gibt es Rooney, Ronaldo und Messi. Aber keiner kann so quaken wie die Ente :)

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