Von Großen und Kleinen
Montag, 27. September 2010
von Gastautor Sebastian
`Es gibt keine Kleinen mehr.` Was in der jüngeren Vergangenheit des globalen Fußballgeschäfts, vor allem von Vertretern der favorisierten Seite vor K.O.-Spielen fast gebetsmühlenartig immer und immer wiederholt wurde, scheint nun augenscheinlich Wirklichkeit geworden zu sein. Selbst in Zeiten, als es tatsächlich noch sehr viele von diesen Kleinen gab, bediente man sich der obigen Floskel als Startpunkt zur Beantwortung jeglicher Fragen, die auch nur peripher den nächsten, meist zugegeben schlagbaren Gegner behandelten. Den man dann auch meistens hoch schlug.
Sechs Spieltage der Saison 2010/11 in den Geschichtsbüchern und man fühlt sich ein wenig an Goethe erinnert, wenn nun die Geister, die man rief, ernst machen und man sie nicht mehr loszuwerden scheint. Dazu zaubern sie streckenweise sogar noch so erfrischend, dass manch ein Meister vergangener Tage bislang wie ein unsortierter Lehrling wirkt.
Klar ist, dass sich nach einer solch kurzen zurückgelegten Wegstrecke in einer Bundesligasaison noch keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen lassen.
Holt man sich jedoch die jüngere Historie ins Bewusstsein, so sieht man nach dem 6.Spieltag 2009/10 Hamburg, Leverkusen, Bayern, Hoffenheim an der Spitze. Dahinter übrigens Mainz, die am Ende Neunter wurden. Ein Jahr davor, ebenfalls nach 6 Spielen, ist es wieder der HSV, der in Front liegt, vor Leverkusen, Bremen, Schalke und Dortmund. Alles größtenteils Große soweit.
Wirklich groß bei den Großen sind aktuell erstmal nur die Investitionen, die Kader und die Namen. Und das Ausmaß der Enttäuschung über den Verlauf des bisherigen Fußballjahres vielleicht.
Und die Kleinen? Halten mit ihren kleinen Geldbeutelchen, mit den kleinen Namen in ihren kleinen Stadien vor allem eins klein – die Ziffer des Tabellenplatzes, auf dem sie stehen.
Was Angst macht, ist, dass selbst Mannschaften, die sich und ihre eigene Stärke noch vor dem ersten Pflichtspiel verschwindend klein redeten, ja – deren freier Fall aus dem bezahlten Fußball scheinbar nur noch durch ein leibhaftiges Eingreifen Gottes abzuwenden möglich schien – selbst diese Mannschaften wachen plötzlich tiefenentspannt auf einem komfortablen Punktepolster auf. So geschehen bei Hannover 96.
Ist das alles also wirklich nur eine kleine, verschobene Bestandsaufnahme im September 2010? Sind die Geister vielleicht nur Schattenspiele? Brauchen die großen Spieler eben nur Zeit, um in einem erfolgreichen System zu funktionieren? Ist es lediglich der Spielplan? Mainzt du wirklich?
Großen Spaß macht es allemal, selbst wenn für den Großteil der Kleinen die momentane Form dieses Jahr vielleicht nicht bis ins Ziel zu halten ist. Für den Moment ist es sicher eine sympathische Bereicherung im Zirkus Bundesliga, der eigentlich vorhatte, das Publikum dieses Jahr mit seinen neuen, schillernden Hauptakteuren von Weltformat zu begeistern. Der Teil der Handlung, die gerade stattfindet, stand so sicher nicht im Script.
Es ist wohl alles nur noch ein bisschen durcheinander in dieser Zeit ohne wirklich Kleine und wirklich Große, und man spürt es ja auch immer noch in sich - dieses über die Jahrzehnte gewachsene Urvertrauen in die natürliche, gewohnte Ordnung der Dinge. Früher oder später.
Und so ist es in diesem Zusammenhang sicher auch nur eine genauso zufällige wie treffende Randnotiz, dass der Tabellenletzte nach dem 6.Spieltag der Saison 2010/11 unter einem Trainingsleiter seinen Tagedienst verrichtet, der, richtig - den Namen `Gross` trägt.






































0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen