Beobachtung des 11. Spieltags - Wunschdebüt auf Umwegen

Montag, 8. November 2010

Als Moritz Volz im Sommer 1998 in die Jugendmannschaft von Schalke 04 wechselte wurden gerade die Planungen für die neue Arena AufSchalke fertig gestellt. Kurze Zeit später, am 21. November 1998 wurde mit dem Bau der neuen Schalker Heimat begonnen und Moritz Volz träumte, wie vermutlich jeder Spieler seines Jahrgangs, sein 1. Bundesligaspiel in dieser Arena zu feiern.

Doch schon nach einem Jahr packte Volz wieder seine Sachen und zog weiter nach London, wo er bei Arsenal in die Jugendakademie aufgenommen wurde. London sollte die nächsten neun Jahre die Heimat von Moritz Volz werden. Bei Arsenal schaffte er zwar nicht den Sprung in die 1. Mannschaft von Arsen Wenger, doch über den Umweg FC Wimbledon, an den er 2003 für die Rückrunde verliehen war, landete Volz dann in der Sommerpause beim FC Fulham. Dort sollte seine Karriere die nächsten Jahre richtig durchstarten. Schnell spielte er sich in die Herzen der Fans im Craven Cottage und sie belegten ihn mit einer Vielzahl von Spitznamen wie "220 Volz", "The Electrician", "Mr Resistor" and "The Lightbulb", die alle auf seine Spielweise abzielen oder einfach nur "Volzy", wie auch seine Homepage heißt oder "The Hoff", da er bekennender Fan des Sängers und Schauspielers David Hasselhoff ist. Mit dem Schriftzug "The Hoff" auf den Schuhen erzielte er gegen Aston Villa 2006 auch sein erstes von zwei Premier League Toren. Das zweite war das 15.000 Jubiläumstor der Premier League Geschichte.

Der Höhepunkt seiner jungen Karriere war die Berufung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in den Kader der deutschen Nationalmannschaft für das Freundschaftsspiel am 17. November 2004 gegen Kamerun, doch Volz wurde nicht eingesetzt. Durch den Trainerwechsel zu Lawrie Sanchez im Sommer 2007 kam seine Karriere dann etwas ins Stocken. Plötzlich fand sich Volz auf der Bank wieder. Zwar war die Ära von Sanchez nur kurz und erfolglos, doch auch unter dessen Nachfolger Roy Hodgson fand er nicht mehr richtig in die Spur, was auch an diversen Verletzungen lag. Nach einer durchwachsenen Saison 2008/2009 in der 2. englischen Liga für Ipswich Town stand Volz dann im letzten Sommer ohne Verein da.

In der Winterpause schien sich der Kreis dann zu schließen, als er von Felix Magath die Chance bekam sich im Wintertrainingslager für einen Vertrag anzubieten. Doch es kam keine Zusammenarbeit zustande und auch zurück in London, bei den Queens Park Rangers, durfte er nur trainieren und bekam keinen Vertrag.
Im letzten Sommer fand Volz dann endlich eine neue Heimat in Hamburg, beim Aufsteiger FC St. Pauli. Doch auch hier musste sich Volz in Geduld üben. Zehn Spieltage lang wurde er von Trainer Holger Stanislawski nicht eingesetzt, bis er an diesem Wochenende endlich sein Bundesliga-Debüt feiern durfte – auf Schalke!

"Ich bin damals hier hin gekommen mit dem Wunsch mein erstes Bundesligaspiel in dieser Arena zu spielen. Auf Umwege hab ich das jetzt geschafft."

Vermutlich hat er sich diese Premiere anders vorgestellt, doch Volz ist endlich da angekommen, wo er, wie viele andere junge Talente auch, vor über zehn Jahren hin wollte. Und mit 27 Jahren hat er noch ein paar Jahre als Profi vor sich. Hoffentlich bleibt uns der etwas andere Profi Moritz Volz noch ein paar Jahre erhalten, denn wie viele Profis können von sich behaupten, dass sie auf einem Klapprad zu Heimspielen anreisen oder dass sie sich vor Heimspielen in die Küche stellen und einen Kuchen backen?

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