Milton Keynes Dons

Samstag, 20. November 2010


Wenn man in den letzten Tagen die (Sport-) Nachrichten verfolgt hat, dann ist man immer wieder über den Namen Milton Keynes gestolpert. Milton Keynes ist eine englische Stadt, die ca. 80 Kilometer nördlich von London liegt, in unmittelbarer Nähe der Formel 1 Strecke in Silverstone. Es ist die Heimat des Formel 1 Teams Red Bull Racing, das in diesem Jahr sowohl den Konstrukteurstitel als auch mit Sebastian Vettel die Fahrerwertung für sich entschieden hat. Und dank unseres neuen Motorsport-Helden kennt man diese Stadt inzwischen in der ganzen Republik.

Aber er ist nicht der einzige prominente deutsche Sportler, den man in den Straßen von Milton Keynes antreffen kann. Auch Didi Hamann hat dort im Moment seine Zelte aufgeschlagen, beim ortsansässigen Fußballclub Milton Keynes Dons. Er ist sowohl Co-Trainer als auch Spieler (bisher 12 Einsätze in der Liga) beim Drittligisten. Doch was ist das für ein Verein bei dem Hamann da spielt?


Sportlich ist der Verein bisher kaum in Erscheinung getreten. Man hat 2007 den Berks & Bucks Senior Cup gewinnen können. Den Pokal des lokalen Fußballverbandes der Region Berkshire and Buckinghamshire. Die folgende Spielzeit 2007/2008 war die bisher erfolgreichste der Vereinsgeschichte. Man konnte in der Football League Two die Meisterschaft gewinnen und so in die League One aufsteigen. Auch die Football League Trophy konnte man gewinnen, als man im Finale im Wembley-Stadion Grimsby Town mit 2:0 schlagen konnte. Die League Trophy ist ein Pokal für die Vereine der Football League One und Two.

Die eigentlichen Schlagzeilen machte der Verein dagegen Abseits des Rasens, besonders in der Person Pete Winkelman, dem heutigen Eigentümer der MK Dons. Winkelman ist ein Geschäftsmann, der in der Musikbranche viel Geld verdient hat. Bereits in den 1990er Jahren hatte er den Traum, dass er in Milton Keynes Spitzenfußball bewundern kann. Da ihm der Weg durch das englische Ligensystem aber zu lang war, wollte er einen Club übernehmen und diesen dann in seine Stadt umsiedeln. Immer wieder klopfte er bei finanzschwachen Clubs an. Er wurde immer wieder abgelehnt, bis er schließlich beim FC Wimbledon auf offene Ohren traf.


Niedergang des FC Wimbledon


Der 1889 gegründete Verein aus dem Süden Londons konnte 1988 noch den FA-Cup gewinnen. Doch drei Jahre später mussten die Dons, wie der FC Wimbledon genannt wurde, ihre Heimat, die Plough Lane, verlassen. Die Pläne für ein eigenes Stadion wurden aus finanziellen Gründen verworfen und man zog in den Selhurst Park, das Stadion von Crystal Palace. Bis zur Saison 1999/2000 konnte man sich in der Premier League halten, doch mit dem Abstieg in die 2. Liga wuchsen die Schulden dramatisch an und der Verein stand vor dem Ruin, als Pete Winkelman auf den Plan trat. Er kaufte sich in den Verein ein und überzeugte die Vereinsführung, dass man den Verein nach Milton Keynes umsiedeln sollte.

Trotz massiver Fanproteste, nicht nur von Fans des FC Wimbledon, genehmigte die FA am 28. Mai 2002 den Umzug. Ein Jahr später, am 5. Juni 2003 meldete der Verein mit einem Schuldenberg von 20 Millionen Pfund Insolvenz an. Durch die Insolvenz musste man die besten Spieler verkaufen und man stieg in die 3. Liga, die League One, ab. Der Wert des Vereins war inzwischen so weit gesunken, dass Winkelman den Verein komplett kaufte.
Durch diesen Kauf konnte Winkelmann mit dem Verein jetzt tun und lassen, was er wollte. Obwohl er vorher zugesichert hat, dass er bei der neuen Namensgebung die Meinung der Fans zu berücksichtigen, entschied er sich 2004 für den Namen Milton Keynes Dons. Dons war zwar einer der Spitznamen des alten FC Wimbledon, doch die Fans sprachen sich eigentlich auch beim neuen Clubnamen für eine Einbeziehung Wimbledons aus. Dass Winkelman von Beginn an geplant hatte, dass er die Fans bei der Umbenennung übergehen wird und seinen Verein Milton Keynes Dons nennen würde, kann man daraus vermuten, dass er bereits im Jahr 2000 die Internet-Domäne mkdons.com registrieren ließ. Zudem schaffte er 2004 die traditionellen Vereinsfarben blau-gelb ab. Heute tragen die Spieler in Heimspielen weiße und bei Auswärtsspielen vornehmlich rote Trikots. Auch das Vereinswappen wurde 2004 komplett neu gestaltet.

Sogar die Fans mussten unter dem ganzen Hick Hack leiden. Zwar hatten sich die meisten Fans des FC Wimbledon bereits 2002 abgewandt und den AFC Wimbledon gegründet, doch ein paar unerschrockene Seelen blieben dem Verein treu und auch in der neuen Heimat fand man schnell Anhänger. Doch diesen wurde die Aufnahme in die FSF, die Vereinigung der englischen Fußballfans, verweigert. Erst 2006 konnte man die Wogen glätten und der MK Dons Supporters Club wurde von der FSF aufgenommen. Dazu musste der Verein allerdings verschiedene Auflagen erfüllen. Eine dieser Auflagen war, dass man die FA Cup Trophäe an den Londoner Stadtbezirk Borough of Merton, in dem Wimbledon liegt, zurückgibt. Auch die Rechte an den Domänen und die Marketingrechte mussten von den Milton Keynes Dons an den Londoner Bezirk übergeben werden. Am 2. August 2007 wurde der FA Cup und weitere Erinnerungsstücke an den FC Wimbledon übergeben.


Sportliche Wiedergeburt als Milton Keynes Dons?


Sportlich brachten die Übernahme und der Umzug zunächst keinen Erfolg. Nach zwei Jahren in der League One stieg man 2006 in die 4. Liga ab.
Unter der Leitung des früheren Profis und Juniorennationalspielers Martin Allen schloss man die Saison 2006/2007 auf dem 4. Tabellenplatz und verpasste um einen Punkt den direkten Wiederaufstieg. In den Play Offs scheiterte man dann bereits im Halbfinale an Shrewsbury Town. Martin Allen wurde durch Paul Ince ersetzt. Mit ihm konnte man 2008, wie bereits erwähnt, Meisterschaft und die League Trophy gewinnen. Ince verließ Milton Keynes bereits nach einem Jahr wieder, um in der Premier League die Blackburn Rovers zu trainieren.


Spieler der MK Dons vor dem Gastspiel bei Grimsby Town. Im Vordergrund mit der Nr. 2 Verteidiger Jude Stirling. - Quelle: Torschrei-Chris


Ersetzt wurde er durch Roberto Di Matteo. Für Di Matteo war es der erste Trainerposten, doch er schaffte es, dass sich der Aufsteiger in der Tabellenspitze festsetzen konnte. In der Wintertransferperiode konnte man zudem mit Tore André Flo einen früheren Mitspieler von Di Matteo zu Milton Keynes locken. Nach 46 Spieltagen beendete man die Saison auf dem 3. Platz und verpasste den direkten Durchmarsch um zwei Punkte. Genau wie zwei Jahre zuvor musste man in die Play Offs. Erneut scheiterte man bereits im Halbfinale, diesmal gegen Scunthorpe United. Nach zwei Unentschieden musste man ins Elfmeterschießen. Auch dort war es lange ausgeglichen, bis mit Flo der Star des Teams seinen Elfmeter an die Latte schoss und man mit 6:7 verlor.

Durch den Erfolg wurde auch Di Matteo von einem großen Club weggelockt. Er verließ Milton Keynes um bei West Bromwich Albion anzuheuern. Ersetzt wurde er durch Paul Ince, der in Blackburn gescheitert war. Die Saison 2009/2010 lief enttäuschend und Ince wurde trotz eines Vertrags bis 2011 bereits nach einer Spielzeit wieder entlassen.
In dieser Saison liegt man nach 16 Spieltagen auf dem 7. Platz. Allerdings beträgt der Rückstand auf den Zweiten der Tabelle, Charlton Athletic, nur zwei Punkte.

Wir sind gespannt, wo die Reise für dieses Franchise-Produkt in den nächsten Jahren hinführt. Selbst in dem von Investoren beherrschten englischen Fußball ist dieser Club eine Ausnahme und das Produkt wird sehr schlecht angenommen. In den letzten sechs Jahren konnte man den Zuschauerschnitt auf knapp über 10.000 Besucher im Schnitt anheben, wobei die Zahlen in dieser Saison Rückläufig sind. Mit bisher durchschnittlich 8.000 Besuchern liegt man in der Zuschauertabelle der League One auf dem 6. Platz, deutlich hinter Traditionsclubs wie Southampton FC (20.742 Zuschauer), Sheffield Wednesday (18.802) und Charlton Athletic (15.684).

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