Beobachtung des 15. Spieltags - Die Fußballoper
Dienstag, 7. Dezember 2010
Wie schafft man es als ungeliebter Bezahlsender neue Kunden zu generieren? Eine Frage, die zunächst für Premiere und später Sky auf dem schwierigen deutschen Markt zu einem Buch mit sieben Siegeln zu werden schien. Doch jetzt hat man definitiv den Gordischen Knoten gelöst! Oder doch nicht?
Zum vergangenen Spieltag hatte man bei Sky eine Idee, wie man im Fußball neue Wege gehen kann. Sky präsentierte das Top-Spiel Schalke 04 gegen Bayern München als eine Fußballoper.
Alternativ konnte man dann am Samstag neben dem Kommentator Marcel Reif und dem üblichen reinen Stadion-Ton auch die Option "Fußballoper" wählen. Doch bereits ohne die gesanglichen Einlagen gab es die erste Enttäuschung. Wenn man in den Genuss der Sänger kommen wollte, dann musste man sich die Sänger auch ansehen. Es gab lediglich die Möglichkeit, dass man das Spiel im "Splitscreen" sehen konnte – immerhin waren die Sänger im kleineren der beiden Bildfenster.
Weiter ging es dann mit der musikalischen Untermahlung. Selbst wenn man ein Fan von Opern-Musik sein sollte, wird man nach wenigen Minuten schnell enttäuscht worden sein. Über die musikalische Leistung kann ich persönlich nicht urteilen, aber als Untermalung für ein Fußballspiel war es nicht zu ertragen. Auch über die fachliche Kompetenz der Sänger mag ich nicht urteilen, doch das Zusammenspiel zwischen Gesang und Spiel hat nur selten gepasst.
Ein "Das war wohl nichts! Das war wohl nichts!" bei einer verpassten Torchance mag zwar passen, doch eine mehrfache Wiederholung ändert bekanntlich nichts am Geschehen. Und auch die Untermalung der Wiederholung des Führungstreffers durch Jurado ist ausbaufähig:
"Meine Chance hab ich genutzt. Meine Chance hab ich genutzt. Ich schieß das 1:0, ich schieß das 1:0. Ich schieß das 1:0 durch mich. Ich schieß das 1:0, ich schieß das 1:0. Ich schieß das 1:0!"
Nicht einmal der Name des Torschützen wurde genannt.
Eine Zusammenführung von Sport und Kunst ist nicht neu. Turner, Tänzer oder Dressur-Reiter unterlegen ihre Auftritte seit jeher mit Musik und stimmen ihre Bewegungen auf die Musik ab, aber der umgekehrte Weg ist viel schwerer, erst recht wenn man es live und spontan auf die Beine stellen muss. Die Dokumentation "Zidane – Ein Porträt im 21. Jahrhundert" ist ein Meisterwerk, das wunderbar von Mogwai mit Musik unterlegt wurde. Aber auch hier natürlich nachträglich im Studio.
Das Projekt "Fußballoper" ist für mich gescheitert. Jedoch denke ich, dass man ein Spiel mit klassischer oder elektronischer Musik (wie in der Zidane-Dokumentation) durchaus auch live unterlegen könnte. Im Stück "Die Moldau" von Bedrich Smetana wechselt die Melodie von schnellen Teilen (Allegro oder Presto) über normale Teile (Andante oder Moderato) hin zu langsamen Teilen (Largo, Adagio oder Grave). Durch Wechsel der Melodien und Tempi kann man durchaus ein Ballgeschiebe im Mittelfeld von einem Konter, einer Ecke oder einem Elfmeter musikalisch Unterscheiden. Vielleicht gibt es ja in Zukunft einen neuen Versuch mit einem Orchester.






































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